Offizieller Betrieb
Im Gebiet des Höhenzuges Randen und der Täler der Aitrach
und Wutach sah es lange Zeit so aus, als ob eine ganz andere Bahn gebaut
würde. Doch die politische "Großwetterlage" und
die doch recht schwierige geographische Lage sorgten beide für eine
besondere Entwicklung. Diese Geschichte ist von vielen Eigenwilligkeiten
und Überraschungen gekennzeichnet, von denen hier in der Hauptsache
nur die wichtigsten im Zusammenhang mit der schließlich gebauten
Bahnstrecke genannt sein sollen.
1871 war das Elsaß deutsch geworden. Da die Regierenden in der
Hauptstadt Berlin aber in den darauffolgenden Jahren mit einem erneuten
Krieg gegen Frankreich rechneten, ergab sich für Deutschland das
Problem der raschen Truppenverschiebung entlang der südlichen Reichsgrenze
in Ost-West-Richtung ins Ober- bzw. Süd-Elsaß. Seitdem im
nordamerikanischen Sezessionskrieg 1861-1865 erstmals die Eisenbahn eine
kriegsentscheidende Rolle spielte, wurden vor allem die Schienenwege
in die militärischen Überlegungen einbezogen: für die
Truppen- und Materialtransporte. Zunächst gab es aber in Südbaden
keine einzige für solche Transporte brauchbare Eisenbahnstrecke,
die von Osten her direkt in Richtung Ober-Elsaß geführt hätte.
Denn die einzige Bahnlinie, die überhaupt in Frage gekommen wäre
- die Hochrheinstrecke Konstanz-Singen-Basel - führte an zwei Stellen
durch Schweizer Hoheitsgebiet.
Im Kriegsfall musste mit hoher Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden,
dass die Schweiz, um ihre Neutralität zu wahren, die Durchfahrt
für deutsche Militärzüge sperren würde. So forderte
die damalige Reichsregierung den Bau von Bahnen, welche die Schweizer
Kantone auf deutschem Gebiet umfahren. Der - wirtschaftlich interessante
- Plan einer Zufahrtslinie zum Gotthard trat in den Hintergrund und statt
dessen wurde - ganz im Geiste des preußischen Militarismus - der
Bau sogenannter "Strategischer Umgehungsbahnen" in Angriff
genommen. Diese aber konnten sich unter ökonomischen Gesichtspunkten
zu keiner Zeit rentieren. Eine dieser strategischen Umgehungsbahnen war
die Wutachtalbahn, die den Zweck hatte, Militärtransporte um den
Schweizer Kanton Schaffhausen herumzuführen.
1875 war bereits, bei Oberlauchringen von der Hochrheinstrecke abzweigend,
eine Stichbahn durchs Wutachtal bis Stühlingen gebaut und 1876 bis
Weizen verlängert worden. Die Verbindung von Weizen nach Immendingen
wurde in nur vier Jahren - von 1876 bis 1890 - hergestellt und der Verkehr
am 20. Mai 1890 auf diesem Streckenteil freigegeben. Der Name "Wutachtalbahn" blieb
erhalten, obwohl die Bahn außer dem Wutachtal auch das Kommental
und das Aitrachtal befährt. Durch diese drei Täler führt
auch der Mittelteil, die heutige Museumsstrecke. In Hintschingen erreichte
die Wutachtalbahn die Schwarzwaldbahn, und in Immendingen fand sie Anschluss
an die Donautalbahn und die Gäubahn, so dass nun Züge aus Richtung
Ulm und Stuttgart auf kürzestem Wege in Richtung Weil am Rhein und
von dort ins Ober-Elsaß geführt werden konnten. Sehr bald
stellte sich heraus, dass die unwahrscheinlich hohen Kosten des Baus
dieser Bahn in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen standen.
Im Verlauf von zwei Weltkriegen wurde sie tatsächlich von zahlreichen
Militärzügen, auch Material-, Kohle-, Verwundeten- und Kriegsgefangenentransporten
befahren. Für ihre eigentliche Aufgabe, die Sicherung des Ober-Elsaß nach
Süden hin, hat sie jedoch nie eine bedeutende Rolle gespielt. Vollends
unnütz war sie in Friedenszeiten, denn in ihrem Bereich bestand
für Bahnverkehr kaum Notwendigkeit. Und der Durchgangsverkehr in
Ost-West-Richtung wickelte sich nach wie vor über die dichter besiedelte
und schnellere Hochrheinstrecke und seit 1901 über die Höllentalbahn
mit Anschluss an Donaueschingen ab. So ist es kaum verwunderlich, dass
sich durch die Geschichte einer Bahn, die im Grunde gar keine Existenzberechtigung
hatte, Schwierigkeiten, Merkwürdigkeiten, Gegensätze, Enttäuschungen
und Überraschungen wie ein roter Faden hinziehen. Einiges davon
sei kurz dargelegt.
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